SCRUM Methode liefert Verdacht für Scheinselbstständigkeit


SCRUM entlarvt Scheinselbstständigkeit in IT-Projekten

Mit der neusten Rechtsprechung des obersten deutschen Sozialgerichts (04.06.2019) liefert die agile Projektmanagement-Methode SCRUM bedeutende Argumente für die DRV z.B. IT-Projekte als ungesetzliche Leistungskonstrukte zu deklarieren. Ist SCRUM eine Falle für Scheinselbständigkeit? Projektkunden, Dienstleister und selbständiges Fremdpersonal (Honorarkräfte wie z. B. Freiberufler / Freelancer) werden im Hinblick auf die Sozialversicherungspflicht unweigerlich ins Licht gerückt. Der absolute Liebling unter den agilen Methoden / Arbeitsweisen liefert belastendes Material um den Verdacht auf einen potentiellen Missbrauch der neuen Rechtslage aus 2017 und vor allem aus 2019 zu erhärten.

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SCRUM, das Gesetz und die Rechtsprechung

Die Grundlage für diesen kritischen Rechtskonflikt liefert die Gesetzesreform (AÜG & BGB) aus 2017 und die damit verbundene höchstrichterliche Urteilssprechung aus 2019 - also vor wenigen Tagen. SCRUM und Scheinselbständigkeit?! Vor allem das reformierte AÜG und das brandneue verändern nicht nur die Rahmenbedingungen für honorarbasierte Personal- und Beratereinsätze, es erschwert zudem die gelebte Praxis hinsichtlich ihrer Konformität. Die nun weitestgehend "gefestigte Auslegung der Rechtslage" erlaubt den zuständigen Prüfungsorganen (u.a. DRV) ein übergreifendes Kreuzfeuer und bietet Auftraggebern (Kunden, Agenturen, Beratungshäusern) damit eine transparente Angriffsmöglichkeit für die DRV betreffend Scheinselbständigkeit im IT-Projekt. Warum sind SCRUM IT-Projekte betroffen? Ganz einfach, weil agile Methoden eine große Beliebtheit im Lösungsprozess für IT-Projekte genießen. Kurzgesagt wird SCRUM sehr gerne in der Projektpraxis und vorzugsweise für IT-Aufträge / IT-Projekte eingesetzt.

Für den und vor allem im Segment der Softwareentwicklung genießt SCRUM seit vielen Jahren größten Stellenwert, da es wegen seiner Agilität zu den durchsatzfähigsten Projektmanagement Methoden unserer Zeit gehört. Insbesondere wird SCRUM für Softwareentwicklungsprojekte eingesetzt, welche durch eine hohe Komplexität oder eine hohe Undurchsichtigkeit geprägt sind. Hier entfaltet SCRUM als agile Methode das volle Potential.

Behörden haben gut lachen mit SCRUM

SCRUM zaubert den zuständigen Behörden ein lächeln ins Gesicht, aber warum?! Es ist die originäre Architektur von SCRUM, die eine Scheinselbstständigkeit oder eine illegale Arbeitnehmerüberlassung aufdecken kann. SCRUM verfolgt einen iterativ-inkrementellen Ansatz. D.h. Software unterliegt einem Entstehungsprozess und damit wächst es wie ein Baby langsam zum Erwachsenen heran. Das Projektergebnis ist das große Ganze welches über kleinere Pakete/Module (Inkremente) zusammengesetzt wird. Damit die Teilergebnisse am Ende aller Leistungen einen Erfolg darstellen, werden zeitlich kurze Durchläufe (Sprints) angesetzt. Im Hinblick auf die softwareseitige Produktentwicklung lassen sich risiko- und anforderungsbasierte Abweichungen schneller identifizieren sowie Kurskorrekturen effektiver steuern. Diese wiederkehrenden, zyklischen Entwicklungsphasen werden Iterationen genannt und mit SCRUM in z. B. 4-wöchige Sprints durchlaufen.

Das Sprint-Team umfasst alle erforderlichen Experten und IT-Berater um die vereinbarten / anforderungsgerechten Ergebnisse (Definition of Done / User Stories) zu erzielen. Die Summe der im Team vorhandenen Individualkompetenzen müssen durch einen forlaufenden, übergreifenden und interdisziplinären Information- und Wissensaustausch kanaliisert werden. Das SCRUM Team organisiert sich selbst und erhebt nicht den Anspruch auf eine organische Teamstruktur. Vielmehr zeigt die Praxis, dass die erforderlichen Kompetenzen durch internes und externes Personal (Freiberufler) gebündelt werden. Von der Anforderung über die Entwicklung bis zur Qualitätssicherung. Innerhalb des Scrum Gebildes verfügen alle Kapazitäten (feste und freie Mitarbeiter) stets über ein spezialisiertes Know-how.

Jede Person des Teams ist im Zuge der Projektierung persönlich und umfänglich in die Strukturen (onsite oder remote) eingebettet. Zudem fordert Scrum als agiles Verfahren in der Regel das individuelle und auch das gemeinschaftliche Einstehen aller Teamkollegen - organisatorisch, fachlich und methodisch. Dies ist nur möglich, wenn das Team sich permanent updatet und neu justiert. Daher sind alle Mitarbeiter / Kollegen im Sinne der SCRUM Philosopie vernetzt und mehr oder weniger tief in die Prozesse und Organisationsstrukturen eingeflochten. Eine nahtlose Kommunikation sowie eine übergreifende Transparenz sind unverzichtbare Bestandteile einer standardisierten SCRUM Lösung.

Weiterhin stimmen sich die Teammitglieder untereinander ab und führen tägliche Informations- und Statusmeetings durch - daily SCRUM. Hier sind der Scrum Master als auch der Product Owner gern gesehen oder gar Pflichtteilnehmer. Der aktuelle Stand des Projektes wird täglich ermittelt und z.B. über eine sogenannte Burn-Down-Chart (BDC) visualisiert. Diese Form der Abbildung erfasst die bereits geleisteten und die noch ausstehenden Aufgaben und Tätigkeiten. Der BDC gehört zu den beliebten Werkzeugen für die Statusermittlung und dient untereinander als Reporting-Instrument. Im Sinne des SCRUM-Projektes benötigt jedes Teammitglied im Grunde die volle Transparenz und hat damit auch Zugang zu nahezu allen sensiblen Projektinformationen.

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Es spielt keine Rolle ob die einzelnen Personen im Scrum Team physikalisch präsent sind, via Telefonkonferenz oder über das Internet zusammenkommen. Innerhalb einer gemischten Team-Struktur oder einem virtuellen Leistungskonstrukt müssen alle Beteiligten persönlich interagieren, um die erforderlichen Arbeitsergebnisse zusammenzuführen. Diese Daten bilden die Basis für Berichte, Reports, BDC und zeigen den Playern den Ist-Stand auf. Außerdem gibt es feste Zeitfenster (Timebox), an denen das intellektuelle Get-Together durchgeführt wird. Die SCRUM Methode spricht nicht vom Meetings, sondern von Aktivitäten und Ereignissen.

Eine installierte co-Location befreit nicht per Definition. Ferner regelt SCRUM als agiles Vorgehensmodell eine primäre oder ausschließlich zentralisierte Konzentration der erforderlichen Skills und lehnt eine offsite Teamstruktur (verteiltes SCRUM oder remote SCRUM) ab. Co-Locations sind ausdrücklich keine IT-Factories.

Die zuvor dargestellten Merkmale dieser Projektmanagement Methode liefern den Prüforganen - dem Zoll, der Rentenversicherung und dem Finanzamt - genug Ansätze, um den Status eines IT-Freelancers / eines IT-Selbständigen rückwirkend entheben zu können und gemäß § 611a BGB, AÜG-Reform und die Rechtsprechung des Bundessozialgericht in Kassel als scheinselbstständig bzw. verdeckt beauftragt (Arbeitnehmersituation) zu deklarieren. Wurde der "Projektmitarbeiter" sozial- und arbeitsrechtlich illegal eingesetzt stehen folgenschwere Konsequenzen im Raum. Vor allem Auftraggeber, Kundenunternehmen (Entleiherbetrieb), Beratungshäuser und Vermittlungsagenturen (Verleiherbetriebe) sollten spätestens jetzt umdenken und aktiv werden.

Agile IT-Projekte - SCRUM - liefern in Gänze weit mehr Indizien um der Illegalität überführt zu werden. Darüber hinaus ist der Erfolg des IT-Projektes eindeutig gefährdet.


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Letztes Update: 26.07.2019
Publisher: frisco-freelancer.de

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